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Die Kunst, übers Parkett zu gleiten

20.04.2008 17:33 von Marcel Falk

Tanzen. „Tanzen, das ist träumen mit den Füßen“, hat Fred Astaire einst gesagt. Der Amerikaner ist der Inbegriff eines Tänzers. Ich bin mit seinen Filmen aufgewachsen – und habe ihn für seine Kunst bewundert, wenn nicht gar angehimmelt. Damit will ich mich gleich outen: Ich kann nicht tanzen. Und damit meine ich nicht das Solo-Rumgehüpfe in einer Diskothek. Ich spreche von der Fähigkeit, eine Frau galant über das Parkett zu führen.

Als auf dem Gymnasium die meisten Schulkameraden in die Tanzschule rannten, gehörte ich zu den Kleinkraftrad-Halbstarken. Bei denen war so ein „Weichei-Gehabe“ nicht angesagt. Später habe ich das oft bereut. Um ehrlich zu sein, habe ich Männer, die im Gesellschaftstanz bewandert waren, stets beneidet – aber mir natürlich nichts anmerken lassen. Wie das eben so ist.

Jetzt möchte ich es lernen. Will endlich auch können, was ich bei tanzenden Geschlechtsgenossen immer bewunderte. Marcel Falk, Inhaber der „Hamburg Dance Academy“ in der Stader Straße 2-4, erklärt sich bereit, es mir beizubringen. Allerdings brauche ich eine geeignete Partnerin. Sie sollte auch noch nie einen Tanzkursus belegt haben – damit wir uns keine Vorwürfe machen müssen, wenn wir uns gegenseitig auf die Füße treten. Und: Sie muss Zeit und Lust haben, diesen Weg mit mir zu gehen. Schließlich kommt man sich beim Tanzen sehr nahe, liegt sich beim Blues gar in den Armen. Da muss die Chemie stimmen.

Es dauert lange, bis ich mit Simone Amores endlich fündig werde. Die Sinologie-Studentin aus Heimfeld arbeitet nebenbei als Fotomodell. Ende vergangenen Jahres begegnen wir uns beruflich und verstehen uns auf Anhieb. Sie findet die Idee spannend, hat Zeit und Ballett-, aber keine Erfahrung im Gesellschaftstanz. Sie sagt zu.

Tanzen zu lernen, ist leichter gesagt als getan. In Gedanken sieht man sich zwar geschmeidig durch den Raum gleiten – aber die Realität stolpert der Vorstellung deutlich hinterher. Auf was man da alles gleichzeitig achten muss: die Beine, die Arme, die Haltung, die Schrittkombination, die Tanzpartnerin. Da ist das Hirn schnell überfordert. Marcel Falk ist ein fabelhafter Lehrer. Seine Tanzphilosophie liegt fernab jeglichen Gehabes. „Tanzen ist pure Lebensfreude“, ist er überzeugt. Eine erfreulich unaffektierte Sichtweise, der man sich nicht entziehen kann, nicht entziehen möchte.

Ich habe in den Tanzstunden viel gelernt. Nicht nur Disco-Fox, Walzer, Blues und Salsa. Selten zuvor hab ich so viel gelacht, so viel Spaß gehabt. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, mehr über sich und sein Gegenüber zu erfahren: Ist sie geduldig? Wie reagiert sie, wenn’s Probleme gibt? Hat sie den gleichen Humor? Wie geht sie mit Rückschlägen um, und gibt es eine zwischenmenschliche Harmonie? Tanzen hat tatsächlich etwas von Träumen – nicht nur mit den Füßen …

Wer tanzt, muss gleiten können.

HAN - 05. April 2008
Peter Noßek

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